Mein Buchtipp: Die Macht der guten Gefühle

4. Juni 2020

Virus, Pandemie, Rezession  – schon allein der Klang dieser Worte zieht viele von uns stimmungsmäßig runter. Im Moment landet jedes Gespräch früher oder später bei unserer augenblicklichen Situation. Dabei weiß ich ganz genau, dass nicht „diese Situation“ meine Stimmung steuert, sondern ich selbst!

Wir Menschen verfügen immer noch über ein sog.  „katastrophisches Gehirn“, das heißt wir registrieren mehr Negatives als Positives, mehr das, was schief läuft als das, was gut ist. Das war einmal sehr hilfreich: es war einfach überlebenswichtig, dass wir uns immer Sorgen machten und jederzeit mit dem Säbelzahntiger gerechnet haben.

Negative Gefühle sind gründlich erforscht. Wir wissen genau, welche Reaktionen negative Gefühle im Gehirn und in unserem ganzen Körper auslösen. Angst und Stress halfen schon unseren Vorfahren den Feind zu fokussieren und unserem Körper schnell so viel (Flucht-) Energie wie möglich zur Verfügung zu stellen.

„Die Macht der guten Gefühle“

Bis 1998 sah die Psychologie in erster Linie ihre Aufgabe darin, die Entstehung und Behandlung negativer Gefühle und seelischer Krankheiten zu erforschen. Erst Ende der 90er Jahre begann mit Martin Seligman die Forschung sich auch mit dem zu beschäftigen, was uns seelisch gesund erhält.

Forscher wie M. Seligman und B. Fredrickson wiesen nach, welche Folgen positive Gefühle für uns haben. Natürlich ist es erst einmal netter, positive Gefühle zu haben – keine Frage. Die Forschung geht jedoch weit darüber hinaus.

Die Autorin Barbara Fredrickson hat belegt, dass positive Gefühle bewusst herbeigeführt werden können und dass damit das Leben in eine „Aufwärtsspirale“ gebracht werden kann.

Die Broaden-and-Build-Theorie positiver Emotionen ist eine der wichtigsten Theorien der Positiven Psychologie. Sie geht davon aus, dass positive Emotionen wie beispielsweise Vergnügen, Freude oder Dankbarkeit das Denken, Erleben und Handeln eines Menschen verändern. Auf lange Sicht schafft dieses erweiterte Verhaltensreservoir neue Fähigkeiten und Ressourcen. Sie tragen bei zu Resilienz, Wohlbefinden und Gesundheit eines Menschen.

Hinlänglich bekannt ist, dass negative Emotionen den Blickwinkel eines Menschen bzgl. der möglichen Handlungsalternativen einengen. Berühmtes Beispiel: Ein seltsamer Gegenstand auf dem Waldboden ängstigt mich und versetzt mich in Alarmbereitschaft. Ich sehe nur eine Möglichkeit: weg hier! – was lebensrettend sein könnte – bis sich aus entfernter Betrachtung herausstellt, dass es keine Schlange, sondern nur ein trockener Ast ist.

Barbara Fredrickson konnte nachweisen, dass positive Emotionen genau das Gegenteil bewirken! Sie erweitern (broaden) unseren Horizont und ermöglichen uns einen größeren Denk- und Handlungsspielraum. Positive Gefühle erhöhen unsere Aufmerksamkeit für Details und lassen uns komplexe Zusammenhänge besser erkennen! Wir sind kreativer und offener – auch unseren Mitmenschen gegenüber. Freude bspw. löst den Impuls aus, zu spielen und kreativ nach Lösungen zu suchen. Interesse bewegt uns, zu forschen und Neues zu lernen.

Barbara Fredrickson zeigt uns, dass positive Emotionen die Art und Weise verändern, wie unser Gehirn arbeitet. Dabei kommt es nicht auf großartige Ereignisse an, die uns jubeln lassen, sondern eher auf häufige Mikromomente, die uns gut tun.

Wir haben es selbst in der Hand, diese kleinen Momente wahrzunehmen und unsere Ressourcen so aufzubauen (build). Wenn wir das lernen und dann gewohnheitsmäßig tun, werden wir uns auf einer Aufwärtsspirale bewegen, kreativer werden, mehr lernen und uns ein besseres Netzwerk aufbauen.

Was hat dies nun mit unseren Unternehmen, unserer wirtschaftlichen Situation zu tun?

Unternehmen, genauer Führungskräfte, können einen Beitrag dazu leisten, dass ihre Mitarbeiter positive Momente erleben. Das hat nichts damit zu tun, Probleme unter den Tisch zu kehren und immer nur zu lächeln. Es kann nicht bedeuten, negative Gefühle fanatisch aus unserem Leben zu streichen. Das wird nicht gelingen. Das Leben wird uns immer Gründe geben, ängstlich, wütend, traurig und vieles mehr zu sein. Weder Führungskräfte noch Mitarbeiter wollen mit einer lachenden Maske herumlaufen, den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren und nicht mehr authentisch sein. Damit würden wir andere nur abschrecken.

Es hat damit zu tun, sich im Unternehmen nicht nur auf Probleme zu konzentrieren, sondern auch das, was gut läuft, wahrzunehmen, Stärken anzuerkennen und Dankbarkeit zu zeigen. Der Effekt wird sein, dass alle im Unternehmen mehr Energie haben, mehr Überzeugungskraft, mehr Kreativität, mehr Ausdauer aufbauen.

Wir werden kreativer und verbessern unsere Problemlösungskompetenz – auch im Unternehmen.

Stress macht ängstlich, angespannt und übererregt. Man sieht die Welt mit einem Tunnelblick, der die Sicht auf alternative Lösungsmöglichkeiten verbaut. Das wiederum lässt einen noch unruhiger, ängstlicher und hektischer werden.

Positive Gefühle hingegen machen innerlich frei und öffnen so unseren Blick. Wer gut drauf ist, geht selbstbewusster auf Herausforderungen zu und stellt sich ihnen mit mehr Elan. Das gute Grundgefühl, die feste Überzeugung, anstehende Herausforderungen positiv beeinflussen zu können, wirkt als Stresspuffer und macht belastbarer. Unsere zuversichtliche Grundhaltung macht uns zudem zu gesuchten Gesprächspartnern.

Das wirkt sich nicht zuletzt in schwierigen Zeiten positiv aus: Wir haben mehr Menschen, mit denen wir in Kontakt sind, wenn wir sie brauchen – und das wiederum lässt uns heiterer und gelassener durchs Leben gehen.

Und das nützt uns allen! Immer und überall! Fangen wir an!

Ein Business-Coaching für Sie als Führungskraft und Vorbild ist ein guter Start für eine bessere Unternehmenskultur!

Ich freue mich auf den Kontakt mit Ihnen!

Alles Gute!

Uta Steinweg
mail@uta-steinweg.com

(Quelle: Barbara L. Fredrickson, Die Macht der guten Gefühle, Frankfurt a.M., 2011)

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