Was brauchen wir jetzt?

7. April 2020

Anruf eines Coaching-Kunden aus dem Home-Office: „Also beschäftigt bin ich ja, aber ich muss schon arg mit meiner Motivation kämpfen. Da ich und meine Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung ja kein so richtiges Tagesgeschäft haben, müssen wir jede Aufgabe erst uns selber stellen und dann abarbeiten. Und das fällt uns doch schwer, gerade weil die nächsten Schritte in der Produktentwicklung unklar sind. Da müssen wir jetzt wohl durch.

Und dann hatten wir letztens eine Telko mit dem CEO und allen ging es hervorragend – sagten sie zumindest. Unter der Hand erfährt man dann, dass es doch viele gibt, die durchhängen, jetzt in der 3. Woche Home-Office. Was soll ich tun?“

„Wie entlocke ich meinen Mitarbeitern ein ehrliches Feedback zum Thema Home-Office – auch wenn der Chef es hört?“

Mein Kunde ist Teamleiter in einem sehr innovativen Unternehmen. Deshalb musste ich spontan an ein Zitat von Theodore Zeldin denken, der Anfang der 2000er Jahre fragte: „Wann werden wir die gleichen bahnbrechenden Veränderungen in der Art und Weise wie wir miteinander umgehen machen, wie die Veränderungen, die wir in der Technologie gemacht haben?“ (vgl. D. Rock, 2008, SCARF: a brain-based model for collaborating with and influencing others). In diesem Artikel macht der Neurowissenschaftler noch einmal deutlich, dass unser Gehirn, um unser Überleben zu sichern, seit je her so strukturiert ist, dass es letztlich immer darum geht, Gefahr zu minimieren und Belohnung, d.h. gute Gefühle zu maximieren. (vgl. D. Rock, ebd.)

Angst, Sorge, Unsicherheit machen uns unproduktiv. Wir sind dann schlicht damit beschäftigt, uns zu schützen.

Gute Gefühle, das Gefühl der Sicherheit, der Verbundenheit, machen uns produktiv und kreativ.

Natürlich ist das alles sehr verkürzt ausgedrückt, jedoch geht es auch in unserer komplexen Welt letztendlich immer darum.

Für Führungskräfte muss deshalb der Grundsatz gelten: die wichtigste Aufgabe ist es, ein Gefühl der Verbundenheit zu schaffen – vor allen anderen Aufgaben! Viele patriarchalische Führungskräfte haben traditionell und intuitiv danach gehandelt. Sie haben das „Wir-Gefühl“ nach Kräften gefördert. Auch heute sollten Führungskräfte – egal welcher Managementrichtung sie folgen – in allererster Linie ein Wir-Gefühl, ein Gefühl der Verbundenheit herstellen oder Bedingungen schaffen um es zu fördern.

Das Wir-Gefühl ist eine starke Basis für die Unternehmenskultur!

Was bedeutet das für meinen Kunden? Aus den Medien schallt uns momentan entgegen, dass wir mit einer Rezession rechnen müssen, dass es in vielen Unternehmen Kurzarbeit gibt, dass es Insolvenzen geben wird … Das Gefühl der Unsicherheit ist zum Greifen nah. Und keiner traute sich deshalb in der Telko Schwäche zu zeigen.

Vielleicht ist das Einzige, was eine Führungskraft im Moment tun kann, das Gefühl der Verbundenheit zu stärken.

In der genannten Telko hätte ein Gefühl der Verbundenheit dadurch entstehen können, dass die Führungskraft als erste gesagt hätte, dass sie es schon ziemlich satt hat, ins Home-Office verbannt zu sein. Sie wäre das einfach nicht gewohnt und die Umstellung sei nicht leicht. Die Führungskraft hätte ein Gefühl von „wir – sitzen – alle – im – selben – Boot“ herstellen können. Dann hätte vielleicht zur Sprache kommen können, dass dieses Unternehmen noch zu wenig Regeln fürs Miteinander vereinbart hatte (unterstützende Verhaltensregeln, Regeln für virtuelle Meetings). Regeln, die den Bedürfnissen der Mitarbeiter nach Struktur entgegenkommen und ein Gefühl der psychologischen Sicherheit geben.

Im Anschluss hätten die Mitarbeiter zusammen Ideen sammeln können, wie man sich selbst aus dem Motivations-Tief holen kann.

Und vielleicht würde noch die Idee Früchte tragen, kurzfristige Ziele zu vereinbaren und so Ergebnisse zu liefern, die das Unternehmen für die Zukunft fit machen.
Was kann mein Kunde als „Sandwich-Manager“ tun? Wir haben erarbeitet, dass er beim nächsten virtuellen Meeting genauso reagieren wird, wie er es von seiner Führungskraft erwartet hätte. Er wird ehrlich sagen, dass es ihm im Moment schwer fällt, konzentriert zu arbeiten und anfragen, wer gute Ideen hätte, dem entgegen zu wirken.
Und so will mein Kunde zum Hacker im eigenen Unternehmen werden – für eine gute Unternehmenskultur! 😉
Vgl. Blogbeitrag The Golden Twenties

Ob Office oder Home-Office – gute Führung ist immer die Basis für unternehmerischen Erfolg.
Gute Führung erlernen wir durchs Tun, durch Reflexion, durch Kommunikation.
Gerne bin ich an Ihrer Seite! Sprechen Sie mich an!

Alles Gute!
Uta Steinweg
mail@uta-steinweg.com

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